„My gosh!“

Eine stressige Woche geht zu Ende. Durch eine Hospitation meines Fachleiters in Bio wurde meine sonst gemütliche Unterrichtsvorbereitung durcheinander gewirbelt. Aber es lief wirklich gut und er war durchaus sehr zufrieden.

Am Montag haben die 7er einen Test geschrieben. Sie fanden ihn einfach und wollten anschließend einstimmig, dass er sofort als Note eingeht und nicht mit einem zweiten verrechnet wird. „Gut,“ dachte ich mir, „tue ich ihnen eben am Anfang des Schuljahres einen Gefallen und lasse eine gute Note springen.“ Aber weit gefehlt…daheim schnell korrigiert und das böse Erwachen. Anscheinend haben sie sich maßlos überschätzt. Der Klassendurchschnitt geht nur haarscharf an der 3 vorbei und ist damit offiziell grottig. „Gut,“ dachte ich mir, „tue ich ihnen eben am Anfang des Schuljahres einen Gefallen und zeige ihnen, dass Englisch kein Selbstläufer ist.“ (Das nennt man dann wohl pädagogische Dialektik…)

Am Mittwoch waren dann meine Laune und die Stimmung der Klasse entsprechend schlecht. Aber es war die ideale Gelegenheit, der Klasse ein Angebot zu machen. Ich bat sie, mal in sich zu gehen und zu überlegen, wo sie sich denn gerne verbessern würden. Anschließend werde ich ihnen entsprechend Material zur Verfügung stellen, um neben den normalen Hausaufgaben noch individuell zu üben. Und, oh Wunder, am Freitag habe alle Schüler bis auf zwei, die die wunderbare Kombination der Charaktereigenschaften „faul und arrogant“ in sich vereinen, mir jeweils ein oder zwei Bereiche genannt, an denen sie arbeiten wollen. Es gibt also noch Hoffnung!

Die 9er in Englisch sind da weniger problematisch. Als leistungsstarke und handzahme Klasse macht Unterricht bei ihnen richtig Spass. Aber hin und wieder frage ich mich, ob sie selbstständig denken können. Es galt Haushaltsgegenstände auf Englisch zu umschreiben, um Relativsätze zu üben, z.B. „It’s a thing you need to dry your hair.“ – „It’s a hairdryer.“ Naja…klingt einfach…aber irgendwie wollten sie nicht. Mit jedem Beispiel wurde ich frustrierter. Lag es an mir? Der vorletzten Schulstunde vor dem Wochenende? …  Ich ließ mich am Ende zu folgender, kühnen These hinreißen: „Ihr habt 4 Jahre Grundschule hinter euch und seid im 5. Jahr auf dem Gymnasium. Das heißt, ich kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass ihr zumindest 9 Jahre alt seid. Und selbst 9-jährige können mir sagen, wozu diese Haushaltsgegenstände gebraucht werden. Also biiiiiiiiitte arbeitet jetzt endlich mit und zeigt mir, dass ihr hier zu recht sitzt!“ Es folgte ausgelassenes Gelächter der Klasse. Ich habe den leisen Verdacht, dass sie gar nicht richtig mitbekommen haben, dass ich sie eigentlich ganz schön beleidigt habe…naja. Vielleicht entschuldige ich mich im Laufe der nächsten Woche mal. Aber da die Hälfte der Klasse auf Studienfahrt in Frankreich sein wird, muss ich das wohl vertagen. Immerhin schnappen sie schon einzelne Phrasen von mir auf, z.B. wenn ich ein frustriertes „my gosh“ von mir gebe. Zumindest höre ich es mittlerweile auffällig oft in Pausen.

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