Endspurt

Letzte Woche wurde noch unterrichtet, diese Woche waren dann sportliche Betätigung und Projekte angesagt. Montag hatte ich wider Erwarten frei, aber der Rest der Woche war bisher prall gefüllt, seeeeeeehr abwechslungsreich und hat wirklich wirklich viel Spass gemacht.

Dienstag: Ich darf Ersatz-Klassenlehrer spielen. Die oftmals überfordert wirkende Klassenlehrerin meiner 6er ist anderweitig beschäftigt und ich darf die Klasse am Sporttag begleiten. Zusammen laufen wir zur Sporthalle, die gut 30 Laufminuten vom Schulgebäude entfernt ist. Ich darf mich vergewissern, dass Handys recht laut die aktuellen Charts widergeben können und verweigere die Auskunft, als es um die Übersetzung expliziter Textstellen geht.
„Herr Referendar, heute zeigen wir Ihnen, dass wir besser als in Englisch sein können.“
Ich überlege kurz und kann mir den mit einem breiten Grinsen unterlegten Kommentar „Ist ja auch nicht schwierig“ nicht verkneifen. Zu meiner Verwunderung lacht die blondbeschopfte Jungsgruppe um mich herum laut los und kann sich kaum einkriegen. An der Halle angekommen stürzen alle los und ziehen sich um.
Als Ersatz-Klassenlehrer fotografiere ich, was das Zeug hält. Die 6er beim Aufwärmen, beim Zuhören, beim Rennen, beim Dribbeln, beim Wäsche aufhängen (kein Witz!), beim Schwitzen, beim Kämpfen… es macht einen Heidenspaß, sie anzufeuern und aufzumuntern, wenn sie wieder mal gegen die verfeindete 6.3 verlieren. Leider springt bei den Staffelwettbewerben nur der 2. Platz heraus.
Aber dann bei den Mannschaftswettbewerben schlägt UNSERE Stunde. Es ist UNSERE Stunde, weil ich quasi Ersatz-Klassenlehrer und Coach in einer Person bin. Beim Völkerballturnier gebe ich Tipps, weise taktische Positionen zu und feuere an, was die Stimmbänder hergeben. Es folgt einer der schönsten Momente des Tages, als die gesamte Klasse bei einem Teamfoto zusammen vor Freude den Sieg des Völkerballturniers bejubelt.
Aber der Höhepunkt wird beim Volleyballtennis erreicht. Ich werde schon von den richtigen Klassenlehrern argwöhnisch beäugt. Ich beackere die Seitenauslinie, weise auf Schwächen des Gegners hin, mahne zur Ruhe und Konzentration und verfluche die anderen Klassen. Nein, letzteres mache ich natürlich nicht… aber insgeheim.
Und schlussendlich gewinnen meine 6er auch das Turnier und wir freuen uns alle zusammen. Yeeeeeeeeeeeeeeees! 🙂

Mittwoch: Auch wieder Sport…aber gaaanz anders. Die Englisch-Fachschaft hat sich dieses Jahr zum ersten mal für die 7. Klassen was nettes ausgedacht: HIGHLAND GAMES.
Ich lasse mich nicht lumpen, backe Scones und laufe in voller Montur auf: rotkarierter Kilt, dunkes Polo, darüber ein karierte Schärpe und auf dem Kopf dann noch eine karierte Schottenmütze. Beim besten Wetter dann noch eine Sonnenbrille aufgesetzt und fertig bin ich für die kommenden Wettbewerbe. Die Englisch-Fachschaft versucht sich insgesamt passend anzuziehen, einige Sportlehrer zieren sich ein wenig…
Die 7. Klassen trudeln langsam ein. Einige haben sich ebenfalls passend angezogen, was dann Extra-Punkte gibt. Jede Klasse hat ihren eigenen Clan-Namen, ihre eigene Standarte und einen Battle-Cry… und die Spiele beginnen.
Bei jeder Klasse an meiner Station spielt sich so oder so ähnlich dieser Dialog ab:
„Herr Referendar, tragen Sie auch was unter dem Kilt?“
„Echte Schotten tragen nichts drunter.“
„Oooooooooooooooooooooh.“
… Pause…
„Aber ich bin kein echter Schotte. Also erspart euch jeglichen Versuch, unter meinen Kilt zu gucken.“ *Gelächter von 13/14-Jährigen*

In der Spielpause wird das von den Lehrern selbstgemachte Gebäckt verteilt. Meine Scones gehen weg wie warme Semmeln. Einige 7er erinnern sich sogar an eine Vertretungsstunde mit mir… und quasi jede Klasse fragt, ob sie mich nächstes Jahr in Bio oder Englisch haben wird. Leider wird es nur eine in Bio sein. Egal.

Zwei Jungs nerven mich aber dann aber doch arg. Schon bei der wöchentlichen Busaufsicht erweisen sie sich als…. verhaltensauffällig… und müssen ständig von irgendwelchen dummen Vorhaben abgehalten werden.
Eine Klasse kommt an meine Station „Tossing the Wellie“. Ich hole alle ran und erkläre, was sie zu machen haben.
„Es gibt zwei Gummistiefel, entsprechend habt ihr zwei Versuche, sie so weit wie möglich zu werfen.“
Die beiden Jungs lachen über irgendwas Belangloses.
„Wie ihr werft, ist egal. Die Technik steht euch frei.“
Sie reden weiterhin und scheinen sich über ein Mädchen lustig zu machen.
„Damit euer Wurf gültig ist, muss er innerhalb der Markierungen landen.“
Sie sind geistig sonstwo, nur nicht bei mir und meinen Erklärungen.
„Gibt es noch Fragen?“
Schweigen. Außer natürlich die beiden Jungs. Die blubbern weiter.
„OK, dann schauen wir mal, wer zugehört hat. Du hier vorne (einer der beiden), wiederhole schnell mal, was ihr beachten müsst.“
„Äääääääääääähm. Weiß nicht.“
„Ach, wieso nicht? Ich habe doch eben alles erklärt.“
„Naja…ich hab es nicht verstanden.“
„Hast du es nicht verstanden oder nicht zugehört?“
„Ähm…ja…ähm… nicht zugehört.“
„Ach. Das ist ja ein Ding. Ist mir hier vorne gaaaar nicht aufgefallen.“
Ein Mädchen erklärt es nochmal schnell…und es geht los. Die beiden Jungs werde ich auch nächstes Jahr genau im Auge behalten…

Morgen ist Zeugnisausgabe… und das erste Jahr des Referendariats ist beendet. Naja, nicht richtig, die 2. Examensarbeit muss noch geschrieben werden… aber das wird ja wieder was ganz anderes als die ganze Unterrichtsvorbereitung.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s