Sekt als Tipp

Ha, endlich. Gestern war es dann soweit, die letzte Lehrprobe in diesem Schuljahr ist nunmehr Geschichte. Nachdem ich ungefähr eine Woche eindrücklich von meinem Körper vor Augen geführt bekommen habe, wie Stresshormone, allen voran Adrenalin, sich auf selbigen auswirken, wurde heute bisher nur geschlafen und gegessen. Meine Därme füllen sich also langsam wieder, nachdem ich diese Woche nicht wirklich viel essen konnte. Am Vortag der Lehrprobe wurde mir eine vornehme Blässe bescheinigt – dabei hat sich der Sommer schon sehr deutlich in einer gesunden Bräune bei mir geäußert. Vor der ersten Lehrprobe vor einem halben Jahr war es nicht so schlimm.

Aber der Reihe nach:
Freitagmorgen, es ist kurz vor 5, mein Wecker hat noch nicht geklingelt, aber ich bin wach und entscheide mich, mir eine ausgedehnte Dusche zu gönnen. Alles tutti, die Aufregung hält mich wach und ich klappe unter der Dusche entgegen jedweder Unterzuckerung nicht ab. Schnell die üblichen Aufhübschungsmaßnahmen erledigt und dann ab in die Küche. Hab zwar nicht wirklich Hunger, aber ich weiß, dass ich essen MUSS.
Es ist 6:30. Schnell nochmal den Inhalt der Tasche überprüft…alles da, was ich brauche. Gut. Auf geht’s.
Ich komme kurz nach 7 an und stürme zum Kopierer. Alle Arbeitsblätter werden durchgejagt und ab geht es zum Kursraum. In ca. 30min werden die ersten 11er eintrudeln. Ich wische noch schnell die Tafel, stelle die Tisch für die Gruppenarbeit um (das dauert wirklich eeewig), lege die Arbeitsblätter bereit und gehe meine Mini-Monologe noch einmal durch. OK. Meine Mentorin kommt in den Raum. Sie  ist auch schon aufgeregt (so eine Lehrprobe ist ja auch immer ein wenig eine Bewertung der Mentorenleistung) und meint, dass mein Fachleiter (Englisch) und die Vertreterin der Studienseminares schon im Lehrerzimmer sitzen. Ich stürze eine Etage tiefer, begrüße sie und versuche aus ihrern Mienen heruszulesen, wie mein Lehrprobenentwurf bei ihnen ankam. Sie lassen sich natürlich nichts anmerken…

Wenig später kommen die ersten Schüler. Ich fange sie an der Tür ab und weise sie ihren Tischen zu. … und dann geht es los. Die 45min ziehen sich hin. Man denkt es gar nicht, aber in solchen Momenten nimmt man irgendwie alles anders wahr. Die Schüler sind ruhiger als sonst, die Prüfer schauen strenger, man selber redet nur Wischiwaschi… aber dann ist die Stunde vorüber. Der eigentlich anstrengende Teil steht nun aber erst noch bevor: das Auswertungsgespräch mit anschließender Notenvergabe.

Es wird immer so eingeleitet:
„So, Herr Referendar, Sie hatten jetzt 10min Zeit, um Ihre Stunde zu reflektieren. Bitte schildern Sie Ihren Eindruck, OHNE die gesamte Stunde chronologisch durchzugehen.“
Gesagt, getan. Ich erzähle also, was meinem Empfinden nach gut lief, um dann den Prüfern durch das Aufzählen aller Dinge, die nicht so gut liefen, schon mal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Insgesamt wird es ein nettes Gespräch. Mein Entwurf hat sich allem Anschein nach merklich verbessert und die Stunde selbst lief auch gut.

Interessant war dann aber folgender Hinweis. „Herr Referendar, wie wäre es denn, wenn Sie das nächste mal vorher ein Glas Sekt oder so trinken?“
„Oh, wieso das denn?“ (verwundert)
„Naja, Sie waren so ruhig. Sie sollten die Schüler mehr provizieren, lebhafter sein, sie aufwecken.“
(Ich denke mir: Ja, zugegeben, der Kurs war recht ruhig, aber mit einer Fahne Verwirrung stiften?)
„Ja, da haben Sie recht. Ich war recht ruhig. Aber ich dachte mir, dass ich trotz der Aufregung besser ruhig bleibe. Anscheinend war das zuuuu erfolgreich.“
„Ja, wissen Sie, sie müssen die Schüler mehr mitreißen und mehr schauspielern.“
(Darf man unter Alkoholeinfluss eigentlich unterrichten?)
„Ja, das sehe ich ein. Ich war zu Schulzeiten in der Theatergruppe, mal schauen, ob ich da was reaktivieren kann.“
„Genau! Machen Sie das, denken Sie daran, polarisieren Sie, leben Sie sich aus.“
„OK, das wird mein Plan für das nächste Schuljahr!“

Mein Resumé: Es lief alles gut, ich hab eigentlich jetzt schon Ferien und genieße es, bewusst jegliche Stundenvorbereitung für nächste Woche bis zum letzten hinauszuzögern. Und heute Abend wird gefeiert, getrunken und Völlerei betrieben! Und nächstes mal schreibe ich bestimmt wieder was lustigeres!

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3 Antworten zu Sekt als Tipp

  1. Anikó schreibt:

    Glückwunsch zur gelungenen Lehrprobe 🙂 Macht so eine Lehrprobe denn viel von der Endnote aus oder wie ist das geregelt im Referendariat?
    Trage mich mit dem Gedanken Lehrerin zu werden und nach meiner Diss. nochmal kurz zu studieren und daher ist Dein/Ihr Blog wirklich interessant für mich 🙂

    • Der Referendar schreibt:

      Ich denke, das hängt vom jeweiligen Bundesland ab. Bei mir z.B. zählen die benoteten Lehrprobe in die Vornote mit rein, welche ungefähr 20% der Gesamtnote ausmacht (muss mich da selbst noch einmal informieren). Und dann gibt es noch die Examenslehrproben, die aber wiederum einen gänzlich anderen Stellenwert haben.
      Es ist halt davon abhängig, wo man das Referendariat macht. Einige Bundesländer wollen es auf 1,5 Jahre verkürzen. Entsprechend würden die zu erbringenden Leistungen auch ein wenig zurechtgestutzt werden, denke ich.
      Prinzipiell kann ich es nur empfehlen, Lehrer zu werden. Aber stell dich am besten darauf ein, täglich dazuzulernen und das ganze dann ggf. wieder zu revidieren 🙂
      Liebe Grüße!

  2. Lea schreibt:

    Betrunkene Lehrer im Unterricht – genau das fehlt mir noch! Ok, fehlen tut das an meiner Schule nicht mehr wirklich. Das hatten wir mal im Schullandheim…
    Auch von mir: Herzlichen Glückwunsch! Und schöne Ferien (ich hab noch ein wenig Schule…)!
    LG, Lea

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