Höhere Mächte

So, es musste ja passieren, ich hatte in den letzten Tagen einfach keine Zeit, etwas zu schreiben.
Mein Kopf ist Mus. Gefühlt fehlen mir mehrere Nächte Schlaf. Woran liegt es? Fachleiter hat hospitiert, habe meine Stundensequenz für meine 2. Staatsexamensarbeit begonnen und komme irgendwie nicht so recht mit dem Planen der anderen „normalen“ Stunden hinterher. Aber sei’s drum. Dieses Wochenende wird alles anders. Dass Tests anstehen, sollte die Vorbereitung ein wenig vereinfachen. Nur wird das Korrigieren selbige nächste Woche wieder erschweren. Und der Stapel 11er-Klausuren, der schon bereitliegt beunruhigt mich dann doch ein wenig.
Außerdem steht noch allgemeines Chaos an. Ein Schulgebäude wird teilweise renoviert. 8er und 9er dürfen ins Haus der Sek II Schüler bis zum Schuljahresende einziehen – ein organisatorisches Vabanquespiel, wie ich finde. Aber warten wir es ab.

Mitten in der Unterrichtsvorbereitung lässt man sich ja ungern stören. Prinzipiell wohne ich in einem ruhigen Teil der Innenstadt. Aus dem Küchenfenster sieht man zwei Kirchen samt dazugehöriger Räumlichkeiten. Es scheint finanziell gut um meine gläubigen Nachbarn zu stehen, schließlich sind Solarpanels auf dem Dach nicht gerade billig. Hin und wieder sind sie recht laut… am Wochenende scheint viertelstündlich etwas glockenläutwürdig zu sein. Aber heute gingen mir die christlichen Nachbarn dann doch auf die Nerven. Warum singen sie denn bitte gut hörbar „Heeeeeeidiiiiiiii, Heeeeeeeeeeeeeidiiiiiiii, deine Welt sind die….“??? Und das mit einer Inbrunst und Ausdauer… das ging bestimmt eine Stunde lang so. Vielleicht habe ich mich auch verhört und sie haben „Heeeeeeeeeeeeeeeiland, Heeeeeeeeeeiland, deine Welt ist das Himmelreich….“ oder so gesungen. Aber dann mit der Heidi-Melodie. Auf jeden Fall habe ich mich belästigt und in meiner Unterrichtsvorbereitung gestört gefühlt. Wie werden meine Schüler am Montag reagieren, wenn ich am Montag sage „Tschuldigung, dass die Folie so unleserlich ist, ein paar Christen haben sich am Samstag lautstark die Zeit bis zum angekündigten, aber dann doch nicht eingetretenen, Weltuntergang vertrieben und ich konnte mich nicht ausreichend konzentrieren“?
Immerhin konnte ich ein neues englisches Wort lernen. Anhand der Onlineausgabe einer deutschen Wochenzeitung wurde ich auf das „rapture“ genannte für heute vorausgesagte Szenario des anfangenden Weltuntergangs aufmerksam. Bisher blieb es aus, bin ich auch froh drüber 🙂 und so werde ich hoffen, in Zukunft eventuell mal die neue Vokabeln anwenden zu können. Vielleicht versetzen mich meine Schüler ja demnächst mal in „Verzückung“, „Wonne“ oder „Hingerissenheit“. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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