Lesen und andere Laster…

Schüler sind Schüler sind Schüler… was in ihnen vorgeht bleibt oftmals im Dunkeln. Aber oftmals sagen sie auch frei heraus, was ihnen gefällt oder auch eben nicht gefällt.

Vor einiger Zeit kam ich in den Raum und legte anfangs unbehelligt allerlei Utensilien für eine Englischstunde in meiner geliebten 6. Klasse zurecht. Ohne Vorwarnung erscheint ein kleiner Blondschopf neben mir und meint: „Ich hasse Lesen“. Aha. Danke für die Information. Erklärt durchaus einiges. Anscheinend hatte er nicht bedacht, dass ich ja eine Art Lehrer bin und dieser Aussage nicht viel abgewinnen kann. „Ich lese gerne und hatte in deinem Alter schon viele Bücher durchgelesen.“… Funkstille… „Aber Lesen ist soooo langweilig!“ Mmh…naja… Ansichtssache. Als er merkte, dass er bei mir nicht punkten kann, ließ er mich wieder in Ruhe auspacken.

Ich bin ja ein großer Freund von Feedback. Letztens habe ich meine 8er in Bio und meine beiden 11er Kurse in Englisch mal Feedbackzettel ausfüllen lassen (Was hat mir bisher gut gefallen? Was hat mir bisher weniger gut gefallen? Was habe ich für Vorschläge? Was will ich sonst noch sagen?) Man bekommt ja als Lehrer und Referendar im speziellen selten Lob ausgesprochen. Von wem auch? Die Vertreter des Studienseminars finden immer etwas zu kritisieren und ansonsten ist man auf sich allein gestellt. Aber Schüler sind ein quasi unerschöpflicher Quell von – man mag es kaum glauben – sachlicher und vor allem freundlicher Kritik. Besonders die 11er sind da unglaublich ergiebig gewesen. „Die Texte (Anmerkung des Autors: nicht-lehrbuch Texte) waren zu schwer und zu lang, aber sie wollen uns ja auch fordern, das ist ja richtig so.“ Prima, diese Schülerin hat es kapiert.

Aber meine 11er sind hin und wieder auch seltsam. Anders ausgedrückt: sie erstaunen mich mit Aussagen, die ich nicht erwartet habe, z.B. als ich letztens die ersten 10 Minuten einer recht bekannten Dokumentation über die Waffenvernarrtheit eines recht bekannten Staates analysieren ließ. Aus irgendeinem mir unbekannten Grund hatte nur 1 Schüler aus insgesamt 2 Kursen von dem Film gehört (er kam dann auch nach der Stunde zu mir und hat weitere interessierte Fragen gestellt…wenn er jetzt noch besser in englischer Rechtschreibung und Grammatik wäre…aber egal). Die Schüler als „ausländische Journalisten“ sollten am Ende dann  begründen, warum sie die Doku für die Academy Awards empfehlen würden (oder eben nicht)…naja, es waren je Kurs 2-3 Schüler, die sich für den Film aussprachen und das wahrscheinlich auch nur, weil sie fancy fancy gegen den Konsens des restlichen Kurses rebellieren wollten. Entsprechend verwirrt waren sie, als ich meinte, dass diese Doku einen Oscar gewonnen hat. Kopfschütteln und Kommentare wie „Wie schlecht waren dann die anderen Dokus?“ waren die Folge. Dabei strotzen die ersten 10 Minuten bereits vor aussagekräftigen Bildern und Szenen und jeder Menge Ironie. Naja… Schüler sind eben Schüler sind eben Schüler.

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