Aufmunterung

Mit Beginn des Referendariats bekommt man es plötzlich mit einer ganzen Menge unbekannter Menschen zu tun. Dazu gehören natürlich die zahlenmäßig überlegenen Schüler, eine ganze Latte Kollegen, wobei zwei davon herausstechen, nämlich die fachbegleitenden Lehrer (alt: Mentoren), und natürlich ein ganzer Schwung von Leuten des Studienseminars. Letztere sind diejenigen, die man am seltensten sieht und die doch die entscheidenden Menschen weil notengebenden sind. In meinem Fall ist es so, dass sich die Fachseminare und Allgemeinen Seminare wöchentlich abwechseln, und man demnach Fachleiter und Vertreter des Studienseminars alle 2 Wochen mal sieht. Dazu gesellen sich noch eine handvoll Hospitationen verteilt auf 2 Jahre und fertig ist die Vornote. Ein Traum.

Nun muss ich noch die Kurve zum eigentlichen Thema bekommen…ach ja… Aufmunterung. Meiner Erfahrung nach muss man sie sich als Referendar hart erarbeiten. Zumindest, wenn jemand vom Studienseminar hospitieren kommt. Nachdem ich über das Wochenende eine nette Doppelstunde Bio entworfen hatte und recht zuversichtlich alles auf mich zukommen ließ, brachte mich die Anwesenheit eines Vertreters des Studienseminars dann noch nicht ins Wanken. Die Stunde verlief wie geplant: bei der Motivation hingen die 8er an meinen Lippen, anschließend hohe Schüleraktivierung etc… Aber interessanterweise schien das in der Auswertung der Stunde keine Rolle zu spielen. Das einzige, was mir als positive Aussage über mich/meine Stunde im Kopf geblieben war, ist :“Sie waren nah am Schüler und weisen ein sehr gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis auf.“ Für mich bedeutet das übersetzt: Sie sind nett und das war es dann auch schon. Na prima. Die ersten beiden Minuten waren dann also mit den üblichen Floskeln gefüllt, also konnte man die nächste Stunde ausgiebigst über das reden, was nicht so gut war.

Mir ist vollkommen klar, dass ich noch Jahrzehnte dazulernen werde und meine Stunden auf nicht absehbare Zeit auf jede erdenkliche Art verbessert werden können und müssen. Aber irgendwie hinterlässt es einen dann doch recht frustriert. Natürlich ist das Referendariat dazu da, mir zu zeigen, wie es richtig geht und Fehler auszumerzen. Aber derart frustriert war ich lange nicht. Zum Glück lief die benotete Lehrprobe ein paar Wochen vorher besser…

Und außerdem sind doch die scheinbar unbedeutenden Schüler viel wichtiger und wohltuender. Vielleicht sollte man überlegen, einen Teil der Notengebung für Referendare in Schülerhand zu legen 🙂 ein geradezu revolutionärer Gedanke, wie ich finde. Wenn jemand instinktiv weiß, wer als Lehrer etwas taugt, dann doch Schüler. Nicht dass meine Schüler alles schätzen, was ich mit ihnen mache… um Himmels Willen. Recht aktuelle Feedbackzettel in meiner Hand sprechen da Bände: zu ungenaue Aufgabenstellung (Asche auf mein Haupt, ich gelobe Besserung), zu lange und schwierige Texte (ich neige dazu, meine Mitmenschen zu überschätzen) und noch andere Kritik wurde geübt. Aber hinter all dem steht auch die Einsicht „einige Aufgaben sind dann doch etwas zu schwer manchmal, aber die sollen ja so sein, sie wollen uns ja fordern“. Und um die Selbstbeweihräucherung abzurunden: „sie sind immer hilfsbereit, offen und humorvoll.“ Ach ja, Aufmunterung aus dem Mund von den Menschen, die man täglich sieht und um die es geht, ist doch am motivierendsten 🙂

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